Dicke Luft

In Hamburg schlägt die Stunde der Aktionisten. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hat seine Forderung nach Fahrverboten für Diesel-Autos beim Bundesverwaltungsgericht durchgedrückt. Natürlich ist es oberste Aufgabe des Staates, die Gesundheit seiner Bürger zu schützen – aber das aktuelle Vorgehen des Hamburger Senats ist absolut widersinnig.

Öffentlichkeitswirksam werden ab April einige hundert Meter der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße für Lkw und Diesel-Pkw, die nicht die Abgasnorm 6 oder Euro VI erfüllen, gesperrt. Ein Handwerker samt Diesel-Transporter wird wohl kaum wegen einer solchen Maßnahme zuhause bleiben, sondern eher einen kleinen Umweg über die Königsstraße nehmen, der im Zweifelsfall nur mehr Emissionen bedeuten kann. Als wäre das Verkehrschaos hier nicht schon groß genug.

Ich würde eher einen Blick in den Hafen empfehlen: Seit Jahren fordern die maritime Branche und ihre politischen Unterstützer (darunter auch ich) die nötige Infrastruktur für die Betankung von modernen, emissionsärmeren Schiffen mit Flüssiggasantrieb, doch der Senat bleibt untätig. Gleiches gilt für die Modernisierung der stadteigenen Schiffsflotte: Nichts passiert.

Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, nachzubessern. Auf Bundesebene haben meine Vorschläge zur Förderung von Flüssiggas (LNG), Landstrom und Wasserstoff als umweltfreundliche Antriebe Einzug in den Koalitionsvertrag gehalten. Zudem haben wir uns auf Förderprogramme wie „Innovative Hafentechnologien“ oder „Nachhaltige Modernisierung von Binnenschiffen“ verständigt. Der Senat kann also seine verpassten Hausaufgaben mit Unterstützung des Bundes nachholen – man hilft ja, wo man kann.

(Titelfoto: Guillaume Bolduc)