Die Friedhofs-App

Ein Friedhofsbesuch gilt wohl den wenigsten als anregende Freizeitbeschäftigung. Oftmals ist die Stimmung eher andächtig, wenn nicht bedrückt. Ich habe das nie so empfunden. Für mich sind Friedhöfe ein Ort der Kontemplation – eine Atmosphäre also, in der Nachdenken oder ein gutes Gespräch möglich ist.

Vor ein paar Jahren hatte ich ein solches Gespräch mit Hans Jürgen Schatz, Schauspieler und engagierter Denkmalschützer, auf einem Berliner Friedhof. Schnell tauchte Schatz, der sich bundesweit für den Denkmalschutz stark macht, tief in die Geschichten hinter den von uns zu begutachtenden Grabsteinen ein – ein Erlebnis, das mich beeindruckt hat. „Das müssen Sie mehr Leuten zuteil werden lassen“, bat ich ihn damals. „Aber bitte keine Infotafeln: Machen Sie doch eine App!“

Und das hat er dann auch gemacht, zusammen mit der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg und mithilfe einer Bundesförderung, für die ich mich selbstverständlich eingesetzt habe. Ab sofort können Sie mit der „Wo sie ruhen“-App auf zahlreichen Friedhöfen in Deutschland Geschichten sehen und hören, auf die man sonst wohl kaum stößt. So können Sie zum Beispiel in Stellingen die Biografien zu den Gräbern des Jüdischen Friedhofs Langenfelde erforschen oder Sie wandern in Ohlsdorf auf den Spuren des berühmten Hamburger Zoodirektors Carl Hagenbeck. In Nürnberg können Sie einen der bedeutendsten Deutschen Künstler, Albrecht Dürer, besuchen und in Frankfurt ihr Gedächtnis bezüglich Alois Alzheimer auffrischen.

Insgesamt enthält die App Texte, Bilder und Audioguides zu mehr als 1.200 historischen Grabstellen bedeutender Persönlichkeiten auf 45 Friedhöfen in 32 deutschen Städten. Der Download wird kostenlos für iOS und Android angeboten. Alle weiteren Informationen finden Sie unter: www.wo-sie-ruhen.de