Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Seit der Proklamation dieses Gedenktages für den 27. Januar durch den kürzlich verstorbenenen ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog im Jahr 1996 wird jedes Jahr eine besondere Gedenkstunde im Bundestag vorbereitet.

Waren in den letzten Jahren noch Überlebende des Holocaust zu Gast und schilderten ihre unvorstellbar schrecklichen Erlebnisse, so waren es in diesem Jahr Nachfahren der Opfer, die von den Qualen in ihren Familien berichteten. Die Gedenkstunde in diesem Jahr war den vielen Opfern der Euthanasie gewidmet. Lange Zeit wurde darüber geschwiegen, selbst in den Familien der Opfer. Die Behinderung des eigenen Kindes galt vor 60 oder mehr Jahren noch als ein „Makel“ über den „man“ nicht sprach. Frühe Förderung oder gar Inklusion waren damals völlig unbekannt, ebenso wusste man zu wenig über Ursachen bestimmter Behinderungen und die medizinischen Möglichkeiten waren sehr begrenzt. Diese Unwissenheit und das oft vorhandene Schweigen in den Familien nutzten die Nationalsozialisten für ihre unmenschlichen Zwecke aus. Sie machten behinderte Menschen zu ihren hilflosen Versuchsobjekten.

Rüdiger Kruse: „In einer besonderen Ausstellung im Deutschen Bundestag, die jedes Jahr das Thema des Gedenktages begleitet, sind in diesem Jahr großformatige Fotos des berühmten Fotografen Jim Rakete zu sehen. Auf den Fotos sieht man die Porträts von jungen und alten behinderten Menschen, die alle eine lebensfrohe Ausstrahlung zeigen. Diese Fotoserie ist in den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel entstanden. Man sieht die Begeisterung aller Mitwirkenden, die auch ihre eigenen Porträts hier im Bundestag besichtigten.“