Maritime Konferenz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Hamburg

Innovation und Forschung machen Deutschland zum Vorreiter der Maritimen Energiewende: Am 22. Mai trafen sich rund 200 Spitzenvertreter der maritimen Wirtschaft zur »Maritimen Konferenz« der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Hotel Hafen Hamburg. Hierzu hatten der Fraktionsvorsitzende, Volker Kauder MdB, und der Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die maritime Wirtschaft, Rüdiger Kruse MdB, eingeladen.

In einem Impulsvortrag ordnete Bernard Meyer, Inhaber der größten Werft Deutschlands, die aktuell positive Branchenlage in den historischen Kontext ein. Der Weltschiffbau sei nach wie vor in einer schwierigen Lage und steht einem deutlich negativen Trend gegenüber. Die deutschen Werften können sich diesem Trend bisher jedoch erfolgreich widersetzen und haben eine vergleichsweise positive Auftragsbilanz vorzuweisen und das obwohl sie mit teilweise staatlich subventionierten Konzernen im Ausland konkurrieren und faire Wettbewerbsbedingungen oftmals nicht gegeben sind. Viele deutsche Schiffbauunternehmen, meist mittelständische Familienunternehmen, haben die Herausforderung jedoch gemeistert und konnten in diesem schwierigen Marktumfeld strukturelle Anpassungen vornehmen.

In seiner Begrüßungsrede betonte Rüdiger Kruse die großen wirtschaftlichen Chancen, die der maritime Bereich in den nächsten Jahren bietet: »Die Branche ist heute geprägt durch einen modernen, hochspezialisierten Schiffbau und Zulieferer mit starken Positionen im weltweiten Wettbewerb – durch international führende Reedereien, eine leistungsfähige Hafenwirtschaft, eine innovative meerestechnische Industrie sowie renommierte Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen. Als Industriestandort Deutschland müssen wir dieses Momentum nutzen. Innovationen im maritimen Sektor tragen wesentlich zur Lösung globaler Herausforderungen bei; einschließlich des Klimawandels. Zur Erreichung der Klimaschutzziele muss die maritime Energiewende durch das Engagement von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aktiv gestaltet werden. Die CDU/CSU- Fraktion hat in dieser Legislaturperiode erhebliche Anstrengungen unternommen, die Innovation und Forschung in diesem Bereich voranzubringen. Die Förderung umweltfreundlicher und ressourcenschonender Zukunftstechnologien im Bereich Schifffahrt, Schiffbau und Häfen zählt für mich zu den entscheidenden Maßnahmen. Greentech ›made in Germany‹ bedeutet Umweltschutz auf hohem Niveau und gleichzeitig einen Wettbewerbsvorteil am globalen Markt.«

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion gaben die Vertreter aus Politik, Wirtschafts- und Naturschutzverbänden ihre Einschätzung zu dieser Perspektive für die Branche:

Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR): »Um das langfristige Ziel des CO2-neutralen Seetransportes zu erreichen, werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten enorme Investitionen notwendig sein. Die Politik kann die Forschung und Entwicklung alternativer Antriebe, den Bau von Pilotprojekten und die Markteinführung mit Förderprogrammen unterstützen und Deutschland damit zum Vorreiter machen.«

Harald Fassmer, Präsident des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM):»Gegen den globalen Trend erzielten Schiffbau und Meerestechnik in Deutschland mit exzellenten Produkten und innovativen Lösungen zuletzt starke Zuwächse. Doch für die Zukunft wird das alleine nicht mehr reichen. Denn auf die schwache Weltmarktnachfrage reagieren die großen Schiffbaunationen mit Protektionismus und Milliarden-Subventionen. Die Maritime Energiewende, verbunden mit einer breiten Innovationsoffensive, kann Deutschland langfristig eine Spitzenposition am globalen Markt sichern. Die Gründung des Deutschen Maritimen Zentrums in Hamburg wird hier einen wichtigen Beitrag leisten. Von politischer Seite sind weiterhin ambitionierte Zielsetzungen notwendig: weniger Bürokratie und mehr Innovation bei öffentlichen Aufträgen, Level Playing Field und Exportförderung.«

Jens Aurel Scharner, Vizepräsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS): »Die deutschen Seehafenbetriebe setzen sich seit langem für die bestmögliche Kombination von wirtschaftlichen, sozialen und umweltbezogenen Belangen ein. Das vom Bundestag beschlossene Forschungsprogramm IHATEC trägt wesentlich zu weiteren nachhaltigen Neuerungen in der Hafenlogistik bei und sollte schon jetzt verlängert werden. Dringend notwendig bleiben außerdem die Förderrichtlinie für LNG-Infrastruktur in den Häfen und die Absenkung der EEG-Umlage für Landstrom.«

Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik beim Naturschutzbund Deutschland (NABU): »Zur Erreichung der in Paris vereinbarten Klimaschutzziele oder bei der Luftreinhaltung steht die Schifffahrt vor großen Herausforderungen. Hierzulande bieten sich dadurch allerdings auch große Chancen, denn effiziente Motoren und wirksame Abgastechnik kommen insbesondere auch von Unternehmen aus Deutschland. Damit diese Technik ausreichend nachgefragt wird, bedarf es ambitionierter Grenzwerte, aber auch Vorbilder z.B. bei Behördenschiffen, die mit gutem Beispiel vorangehen, auch wenn noch keine Regularien entsprechende Maßnahmen vorschreiben. Darüber hinaus sollte seitens der Hafenbehörden eine stärkere Differenzierung der Hafenentgelte nach Umwelteigenschaften der Schiffe vorgenommen werden, um maritime Innovationen zu beschleunigen.«