Drei Erden

Ende April, Anfang Mai kommt inzwischen jedes Jahr der Tag, an dem Deutschland seinen fairen Anteil an den Ressourcen der Welt aufgebraucht hat. Danach – also rund zweidrittel des Jahres – leben wir letztlich auf Kosten anderer und zukünftiger Generationen. Würden alle Menschen entsprechend leben, würde diese eine Welt nicht reichen, wir bräuchten drei davon. Erde II und III sind aber nicht in Sicht.

Vermutlich leben rund 1,5 Milliarden Menschen mit einem ähnlichen Lebensstandard wie wir. Und 6,5 Milliarden weitere streben diesen Standard an. Ihnen diese besseren Lebensbedingungen vorzuenthalten kann nicht ernsthaft erwogen werden. Das Bevölkerungswachstum einbezogen müssen wir also bald für 10 Milliarden Menschen gute Lebensbedingungen schaffen. Mit dem heutigen Ressourcenverbrauch würde dies unmittelbar zum Kollaps führen.

Diese Erkenntnisse sind alles andere als neu, spätestens seit den Veröffentlichungen des Club of Rome in den 70er Jahren reden wir darüber. Der Handlungsdruck jedoch steigt, denn die Folgen der Ausbeutung des Planeten werden sichtbarer und die Geschwindigkeit des Ressourcenverbrauchs steigt. Etwas anderes hat sich aber auch dynamisch verändert: unsere Möglichkeiten gegenzusteuern. Die technischen Entwicklungen potenzieren sich fortlaufend. Die Möglichkeiten, Daten auszutauschen und damit Millionen von Steuerungsprozessen zeitgleich ablaufen zu lassen, sind gigantisch und wachsen stetig.

Zunächst hatten wir das Problem. Dann hatten wir die Erkenntnis. Jetzt haben wir auch die nötigen Werkzeuge. Natürlich war bereits gestern der beste Zeitpunkt das Projekt zu starten. Aber gestern können wir heute nicht mehr gestalten. Wir können aber entscheiden, das Handeln nicht weiter in die Zukunft zu verschieben und heute beherzt zu beginnen. Das heute zu gestalten ist das einzige, was in unserer konkreten Macht liegt. Worauf es jetzt ankommt ist der Wille und die Ausdauer. Es muss jemanden geben, der die Sache in die Hand nimmt und umsetzt. Es muss jemanden geben, der sich das zu traut und dem die Menschen dies zutrauen. Und dieser jemand sind wir. Wir machen unser Land nachhaltig. Wer sonst?

(Titelfoto: Lena Bell)