Lasst die Kirche im Dorf

Lasst die Kirche im Dorf

Zur Debatte um den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge erklärt Rüdiger Kruse MdB, Mitglied des Haushaltsausschusses des dt. Bundestages:

„Das Vorhaben Bornplatzsynagoge wird derzeit rund um das Wort ‚Wiederaufbau‘ diskutiert. Da gesicherte Erkenntnisse zur Machbarkeit fehlen, werden viele sehr unterschiedliche persönliche Phantasien als Grundlage herangezogen. Wir sollten Acht geben, die wichtigen Chancen, die mit der Bornplatzsynagoge zusammenhängen, nicht zu zerreden.

Bereits 2019 haben wir im Haushaltsausschuss des Bundestages 600.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt. Diese verhältnismäßig große Summe sollte sicherstellen, dass in der Machbarkeitsstudie nicht nur bautechnische Fragen erörtert, sondern möglichst die gesamte Breite und Tiefe aller Aspekte des Projektes beleuchtet werden. Das bedeutet zum Beispiel: Wie bleibt die Vergangenheit, also auch die Zerstörung der Synagoge im Zuge der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens in Hamburg, sichtbar? Welche Aspekte des Denkmalschutzes sind relevant? Wie ließe sich eine echte, lebendige, nicht nur behauptete Einbettung der Synagoge in die Stadtgesellschaft sicherstellen? Wie werden wir den Sicherheitsfragen – die leider zu berücksichtigen sind – gerecht.

Die grundsätzliche Bereitstellung von Mitteln im Bundeshaushalt für den Wiederaufbau der Synagoge ändert nichts daran, dass zunächst die Machbarkeitsstudie durchgeführt werden muss und werden wird. Die Machbarkeitsstudie bildet den Rahmen für die wichtige Diskussion, die nur in diesem Rahmen konstruktiv wirken kann. In diesem Sinne bitte ich alle interessierten Personen und Institutionen: Führen wir jetzt keine Freund oder Feind Debatte, bringen wir uns bei der Studie ein, seien wir dabei großzügig, verantwortungsbewusst, weltoffen und gelassen – und lassen jetzt kein Dorf in die Synagoge unserer Stadt!”