Vom Glück des Sommerlochs

Früher haben wir ratlose Journalisten belächelt, wenn sie ihre Auflagen und Einschaltquoten in den ereignisärmeren Monaten Juli unnd August notdürftig vor dem Einbruch zu retten versuchten. 1993 deckte der CSU-Politiker Dionys Jobst diesen Sensationsbedarf mit seinem Vorschlag, für 50 Mrd. DM die spanische Insel Mallorca zu kaufen und offiziell zum 17. deutschen Bundesland zu erklären. 2006 waren die Themen des Sommers die „WM dahoam“ und Problembär Bruno. 2009 hatte SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt die Schlagzeilen für sich, als ihr Dienstwagen im Urlaub gestohlen wurde.

In den letzten Jahren mussten wir ohne Sommerloch auskommen. 2016 gingen wir in der Nacht des 14. Juli mit dem Terroranschlag von Nizza zu Bett und standen am nächsten Tag mit einem folgenreichen Putschversuch in der Türkei wieder auf. Im Sommer 2017 durchzogen marodierende Autonome die Straßen Hamburgs: Krawalltouristen, die einer überwiegenden Mehrheit von friedlichen Demonstranten die Chance genommen haben, den Hamburger G20-Gipfel um eine demokratische, pluralistische Facette zu bereichern.

Ich bin froh, dass der Sommer 2018 andere Schlagzeilen für uns bereithält und wir geradezu sinnvolle Debatten führen. Zum Beispiel: Weltweit werden in diesem Jahr die Hitzerekorde gebrochen. Mensch und Natur ächzen unter der Hitze, sodass nun auch dem Letzten klarwerden muss, wie groß der Handlungsbedarf ist, die Nachhaltigkeitsstrategie der Vereinten Nationen und das Pariser Klimaabkommen schnellstmöglich umzusetzen.

Eine zweite Debatte ist das verpflichtende Gesellschaftsjahr. Die Idee, die wir in der CDU Hamburg schon seit Jahren diskutieren, ist charmant: Befürworter argumentieren mit dem sinn-, empathie- und verantwortungsstiftenden Charakter dieser Maßnahme. Gegner verbitten sich diesen Eingriff in die Freiheit junger Menschen und betonen die verfassungsrechtlichen wie organisatorischen Schwierigkeiten. So oder so setzen wir uns allein durch die Debatte mit dem Zusammenhalt im Land und den Werten auseinander, auf denen wir unsere Gesellschaft aufbauen wollen. Was für ein schöner Sommer.