Wer übernimmt den CDU-Parteivorsitz?

Spannende Zeiten. Im Vorfeld des CDU-Bundesparteitages am 7. und 8. Dezember in Hamburg führt unsere Partei eine Reihe von Regionalkonferenzen durch, auf denen sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn für den zu wählenden Parteivorsitz vorstellen. Die erste Konferenz fand am 15. November in Lübeck statt. Dort habe ich mir von den drei Kandidaten und der Stimmungslage in der Partei ein Bild gemacht.

Um mit letzterem zu beginnen: Ich bin hoch erfreut. Es ist die gemeinsame Suche nach einer neuen Besetzung für den Parteivorsitz. Eine nach vorne gerichtete gemeinsame Suche. Und trotz unterschiedlicher Wünsche und Ansprüche oder Präferenzen tun sich keine Gräben auf. Es ist kein Kampf von Lagern, es ist ein gemeinsames Ringen um die beste Wahl. Damit gleicht die Veränderung in der Parteiführung der Veränderung in der Bundestagsfraktion: Dort gab es nach zwei Kandidaturen und einer Wahl einen neuen Fraktionsvorsitzenden und es geht gemeinschaftlich weiter. Wohl der Partei, in der Wechsel so von statten gehen.

Wenn es ein Wettkampf der Rhetorik wäre, so wäre Merz klar der Sieger. Und wenn es um Empathie ginge, Kramp-Karrenbauer. Spahn wiederum bietet sich als Läufer für die lange Strecke an. Friedrich Merz würde die Union am deutlichsten profilieren. Jens Spahn könnte die Union am stärksten verjüngen, womit mehr als nur das Alter gemeint ist. Annegret Kramp-Karrenbauer ist in der Lage, die Union am breitesten aufzustellen. Zu wählen ist der Vorsitz einer Volkspartei. Was bedeutet eigentlich Volkspartei? Verkürzt: regierungsfähig sein.

Die Union ist gegründet worden mit dem Anspruch, möglichst viele Menschen in der Gemeinschaft einer Partei für die Gemeinschaft des ganzen Landes zu versammeln. Sie ist keine Kaderpartei, sie ist keine Klientelpartei, sie will für alle da sein. Das ist der Anspruch. Und diesem Anspruch muss das Führungsteam entsprechen. Die Union ist entstanden aus den Erfahrungen von Weimar, mit dem Leitbild, dass jeder Mensch einzigartig ist. Sie betont das Verbindende und will Spaltungen überwinden. Diese Doppelbetonung von Individualität und Gemeinschaft ist vielleicht der Grund, warum auch bei diesem Wettstreit kein Richtungskampf bis aufs Blut stattfindet, sondern eben die Suche nach einer für alle guten Lösung dominiert.

(Titelfoto: Sönke Ehlers)